Panikattacken - Todesangst inklusive

02.11.2026

Nachts um drei: Todesangst inklusive!
Die Wechseljahre haben wirklich ein erstaunliches Talent, einen immer wieder mit Dingen zu überraschen, auf die man ausgesprochen gut hätte verzichten können. Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gehirnnebel sind ja inzwischen bekannte Klassiker. Aber nächtliche Panikattacken, bei denen man plötzlich glaubt, sterben zu müssen oder irgendetwas Lebenswichtiges vergessen zu haben, gehören zu den weniger bekannten Zugaben dieses hormonellen Komplettpakets und das Gemeine daran: In dem Moment fühlt sich alles absolut echt an.

Habe ich meine Tabletten vergessen?
Manchmal wache ich nachts auf und bin plötzlich davon überzeugt, dass ich irgendeine Tablette nicht genommen oder etwas unglaublich Wichtiges vergessen habe. Was genau, ist zunächst völlig unklar. Aber mein Gehirn ist sich sicher: Da stimmt etwas nicht! Während ich noch versuche, überhaupt richtig wach zu werden, läuft im Kopf bereits eine Krisensitzung auf Hochtouren. Was habe ich vergessen? Was hätte ich tun müssen? Warum fällt mir das nicht ein? Und wieso fühlt sich das alles so entsetzlich wichtig an? Es dauert eine Weile, bis ich endlich wieder vollständig bei Bewusstsein bin und feststelle, dass überhaupt nichts passiert ist. Ich habe nichts vergessen. Es gibt kein Problem. Mein Gehirn hat mir im Halbschlaf lediglich einen kleinen Katastrophenfilm vorgeführt, für den es weder einen vernünftigen Anlass noch eine Eintrittskarte gebraucht hat. Da liegt man nun, mitten in der Nacht, und möchte seinem eigenen Kopf am liebsten sagen: Du hast wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank! Aber wahrscheinlich würde er auch daraus wieder eine existenzielle Krise machen.

Und dann wäre da noch die Angst vor dem Sterben.
Noch unangenehmer wird es, wenn man nachts aufwacht und plötzlich eine entsetzliche Angst vor dem Tod empfindet. Oder wenn man abends im Bett liegt und sich vor dem Einschlafen fürchtet, weil man den Gedanken nicht loswird, möglicherweise nicht wieder aufzuwachen. Man weiß eigentlich gar nicht, warum diese Angst plötzlich da ist. Es ist nichts Besonderes passiert, man liegt in seinem eigenen Bett und wollte gerade schlafen. Doch auf einmal fühlt sich die Vorstellung, einzuschlafen, bedrohlich an. Und wenn man aus dem Schlaf hochschreckt, ist die Panik mitunter so heftig, dass man erst einmal eine ganze Weile braucht, um überhaupt zu begreifen, was gerade mit einem passiert. Willkommen im nächtlichen Sonderprogramm der Wechseljahre! Die Eintrittskarte ist kostenlos, die Vorstellung findet ohne Vorwarnung statt und der Veranstalter übernimmt keinerlei Verantwortung für die verlorene Nachtruhe.

Wenn die Hormone den Alarmknopf drücken.
Was viele Frauen nicht wissen: Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren können auch das Angstempfinden und die Stressregulation beeinflussen. Das hat durchaus biologische Gründe. Progesteron und seine Abbauprodukte wirken auf das GABA-System im Gehirn, das unter anderem an Entspannung und der Dämpfung von Erregung beteiligt ist. Wenn sich die Hormonspiegel verändern, kann dieser beruhigende Einfluss bei manchen Frauen aus dem Gleichgewicht geraten. Gleichzeitig beeinflusst Östrogen verschiedene Botenstoffsysteme im Gehirn, darunter auch solche, die an Stimmung und emotionaler Regulation beteiligt sind. Das Nervensystem kann dadurch empfindlicher auf innere Reize reagieren. Kommen Schlafstörungen und nächtliche Hitzewallungen hinzu, kann sich der Körper plötzlich in einem regelrechten Alarmzustand befinden. Stressreaktionen können einsetzen, man schreckt hoch und spürt möglicherweise Herzklopfen, Unruhe oder ein Gefühl drohender Gefahr und dann kommt unser Gehirn ins Spiel. Es bemerkt den Alarm, sucht nach einer Erklärung und liefert uns mitunter gleich die dramatischste Variante: Ich sterbe! Oder: Ich habe etwas Schreckliches vergessen! Herzlichen Glückwunsch, liebes Gehirn. Aus einer hormonellen Achterbahnfahrt hast du gerade einen Katastrophenfilm in Spielfilmlänge gemacht.

Der Körper schlägt Alarm, und wir sollen herausfinden, warum.
Das besonders Verwirrende an diesen Attacken ist, dass man sich die Angst nicht einfach ausreden kann. Sie ist da, sie fühlt sich bedrohlich an, und der Verstand braucht manchmal eine ganze Weile, bis er wieder die Oberhand gewinnt. Gerade nachts ist das besonders unangenehm. Man ist aus dem Schlaf gerissen worden, noch nicht richtig wach und muss erst einmal verstehen, dass das eigene Gehirn gerade Alarm schlägt, obwohl man sich eigentlich nur in seinem Bett befindet. Wenn man dann endlich wieder klar denken kann, wirkt das Ganze mit etwas Abstand beinahe absurd. Vor wenigen Minuten war man noch überzeugt, dass etwas Furchtbares passieren würde. Jetzt liegt man da und fragt sich, was diese nächtliche Aufregung eigentlich sollte. Die Wechseljahre können eben nicht nur unseren Schlaf durcheinanderbringen, sondern bei manchen von uns auch das innere Alarmsystem empfindlicher machen. Und weil wir während einer Panikattacke nicht unbedingt einen sachlichen Vortrag über Hormone hören möchten, präsentiert uns das Gehirn stattdessen lieber die ganz große Katastrophe.

Danke für nichts, liebe Hormone!
Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ich mich in dieser Lebensphase irgendwann auch noch mit nächtlicher Todesangst beschäftigen müsste. Als ob es nicht schon reichen würde, wenn man wach liegt, schwitzt und sich fragt, wann man eigentlich zuletzt eine komplette Nacht durchgeschlafen hat. Aber genau deshalb finde ich es wichtig, darüber zu sprechen. Denn wenn man diese Erfahrungen macht und nicht weiß, dass hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren daran beteiligt sein können, fragt man sich womöglich, warum man plötzlich solche Ängste entwickelt, die man früher überhaupt nicht kannte. Dabei ist das Gehirn nicht unbedingt dabei, uns eine verborgene Wahrheit über unser Leben mitzuteilen. Es kann schlicht auf die hormonellen Veränderungen und den dadurch beeinflussten körperlichen Alarmzustand reagieren. Das Gefühl ist furchtbar real, aber die Geschichte, die uns die Angst dazu erzählt, ist nicht automatisch wahr. Die Wechseljahre nehmen einem offenbar nicht nur den Schlaf. Manchmal liefern sie auch gleich den Albtraum dazu und verlangen anschließend, dass man am nächsten Morgen ganz normal weiterfunktioniert.

Aber hey, ich liebe mein Leben!

Und wenn ich nachts wieder einmal aus einem völlig unnötigen Katastrophenfilm aufwache, werde ich hoffentlich irgendwann nur noch denken: Ach, du schon wieder!


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