Ballonbauch
Das Phänomen des Ballonbauchs

28.10.2026
Wie kann ich morgens in meine Jeans passen und nachmittags aussehen, als ob ich heimlich schwanger geworden bin?
Es gibt Dinge, auf die bereitet einen niemand vor. Nicht die Schule, nicht die Eltern, nicht die Frauenärztin und schon gar nicht die Hochglanzmagazine, die uns weismachen wollen, dass Frauen in den Wechseljahren vor allem innere Ruhe finden, sich neu entdecken und endlich zu sich selbst kommen. Ja, danke. Ich würde mich wahnsinnig gerne neu entdecken. Am liebsten allerdings in einer Hose, deren Knopf sich noch schließen lässt. Denn neben Hitzewallungen, Hormonmigräne, Gehirnnebel und der gelegentlichen emotionalen Kernschmelze gibt es ein weiteres Phänomen, das sich regelmäßig und völlig ungefragt in mein Leben schleicht: der Ballonbauch.
Und ich rede hier nicht von einem kleinen Bäuchlein nach einem gemütlichen Abendessen. Ich rede von einer körperlichen Verwandlung, bei der man sich morgens im Spiegel betrachtet und denkt: Na, geht doch. Und wenige Stunden später steht man wieder vor demselben Spiegel und fragt sich, ob man über Nacht einen menschlichen Rettungsring verschluckt hat. Der Bauch bläht sich auf. Er wird rund, prall und irgendwie eigenständig. Man fühlt sich, als hätte man einen mittelgroßen Wasserball verschluckt, der sich jetzt häuslich eingerichtet hat und keinerlei Absicht zeigt, die Wohnung wieder zu verlassen. Und das Verrückte daran ist, man muss nicht einmal übermäßig gegessen haben. Man kann sich völlig vernünftig ernähren, sich bewegen, ausreichend trinken und alles tun, was man angeblich tun soll.
Der Bauch interessiert sich in den Wechseljahren dafür ungefähr so sehr wie ein Teenager für die Steuererklärung seiner Eltern.
Er macht einfach sein Ding.
Das eigentliche Drama beginnt allerdings nicht vor dem Spiegel, sondern vor dem Kleiderschrank. Denn keine Frau, die ihre gebärfähigen Jahre hinter sich hat, steht morgens auf und denkt: Ach, heute wäre ein guter Tag, um meine Schwangerschaftskleidung aus dem Keller zu holen. Warum auch? Man ist schließlich nicht schwanger.
Das eigentliche Drama beginnt allerdings nicht vor dem Spiegel, sondern vor dem Kleiderschrank. Denn keine Frau, die ihre gebärfähigen Jahre hinter sich hat, steht morgens auf und denkt: Ach, heute wäre ein guter Tag, um meine Schwangerschaftskleidung aus dem Keller zu holen. Warum auch? Man ist schließlich nicht schwanger.
Man hat keinen Kinderwagen bestellt, keinen Namen ausgesucht und auch nicht versehentlich eine Geburtsklinik gegoogelt. Man möchte einfach nur seine normale Hose anziehen und den Tag beginnen. Doch dann kommt der Ballonbauch. Die Jeans, die gestern noch problemlos saß, entwickelt plötzlich eine sehr persönliche Abneigung gegen den eigenen Unterleib. Der Knopf lässt sich nur noch schließen, wenn man die Luft anhält, den Bauch einzieht und dabei ein Gebet spricht, das man seit der Kommunion nicht mehr benutzt hat. Und selbst wenn man es schafft, die Hose zuzuknöpfen, weiß man das diese Verbindung nicht von Dauer ist. Man setzt sich hin, und der Bund drückt.
Man steht auf, und man muss sich erst einmal neu sortieren. Man atmet ein, und die Hose meldet vorsorglich Überlastung. Spätestens dann beginnt die Verhandlung mit dem Kleiderschrank. Die Leggings? Vielleicht. Die lockere Tunika? Ja, aber bitte nicht so, dass man aussieht, als hätte man sich aus Versehen in einem Vorhang verfangen.
Das weite Kleid? Hervorragend. Allerdings muss man aufpassen, dass man darin nicht aussieht, als wäre man auf dem Weg zu einer mittelalterlichen Hochzeit.
Und die schöne Bluse, die man eigentlich anziehen wollte? Die bleibt heute im Schrank, weil sie sich entschieden hat, sämtliche Rundungen der letzten Stunden öffentlich
zu kommentieren. Man möchte sich schließlich anziehen und nicht den ganzen Tag die Frage beantworten, ob man etwas zu verkünden hat.
Nein, ich bin nicht schwanger. Ich bin in den Wechseljahren!
Das ist ja das besonders Absurde an dieser Angelegenheit: In einem Alter, in dem man eigentlich davon ausgeht, dass das Thema Schwangerschaft endgültig
Nein, ich bin nicht schwanger. Ich bin in den Wechseljahren!
Das ist ja das besonders Absurde an dieser Angelegenheit: In einem Alter, in dem man eigentlich davon ausgeht, dass das Thema Schwangerschaft endgültig
in den Aktenordner „Vergangenheit“ wandert, sieht der eigene Bauch plötzlich aus, als hätte er einen ganz anderen Lebensplan. Und natürlich weiß man selbst, was los ist. Man kennt seinen Körper. Man weiß, dass diese Aufblähung kommt und irgendwann wieder verschwindet. Aber das ändert nichts daran, dass man sich fühlt, als hätte man im Körper einer Frau mit Kinderwunsch eine Zwischenmiete gebucht, ohne den Mietvertrag gelesen zu haben.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Ich habe nichts gegen Schwangere. Ganz im Gegenteil. Ich bewundere jede Frau, die ein Kind austrägt, und wünsche ihr
eine wunderbare Zeit. Aber ich persönlich möchte in meinem Alter nicht mehr aussehen, als müsste ich demnächst eine Kliniktasche packen. Ich möchte meine Kliniktasche höchstens noch brauchen, wenn ich jemanden besuchen gehe. Und überhaupt, wenn mein Körper schon meint, er müsse mich regelmäßig in eine kugelförmige Erscheinung verwandeln, könnte er wenigstens so freundlich sein, mir vorher eine Nachricht zu schicken.
Eine kleine Mitteilung würde reichen:
Liebe Bewohnerin, aufgrund hormoneller Umstrukturierungsmaßnahmen wird Ihr Bauch in den nächsten drei bis fünf Tagen um mehrere Konfektionsklassen erweitert.
Bitte verzichten Sie auf enge Hosen und gesellschaftliche Verpflichtungen. Die Rückkehr zum Normalzustand erfolgt ohne Gewähr.
Das wäre Service. Das wäre Kundenorientierung. Das wäre ein Mindestmaß an Respekt gegenüber einer Frau, die ohnehin schon genug damit beschäftigt ist, ihre Brille zu suchen und sich daran zu erinnern, warum sie gerade in der Küche steht.
Die Sache mit dem Körpergefühl
Was man dabei nicht unterschätzen darf, ist das Gefühl, das mit diesem Ballonbauch einhergeht. Es ist nicht nur die Optik. Es ist dieses unangenehme Spannungsgefühl, dieses Völlegefühl, dieses ständige Bewusstsein, dass der Bauch da ist. Als hätte man einen Mitbewohner, der sich breitmacht, die Füße auf den Tisch legt und auf jede höfliche Bitte um etwas mehr Platz mit demonstrativem Schweigen reagiert. Frau möchte sich am liebsten in Kleidung hüllen, die keinerlei Fragen stellt.
Die Sache mit dem Körpergefühl
Was man dabei nicht unterschätzen darf, ist das Gefühl, das mit diesem Ballonbauch einhergeht. Es ist nicht nur die Optik. Es ist dieses unangenehme Spannungsgefühl, dieses Völlegefühl, dieses ständige Bewusstsein, dass der Bauch da ist. Als hätte man einen Mitbewohner, der sich breitmacht, die Füße auf den Tisch legt und auf jede höfliche Bitte um etwas mehr Platz mit demonstrativem Schweigen reagiert. Frau möchte sich am liebsten in Kleidung hüllen, die keinerlei Fragen stellt.
Stoffe, die mit einem kooperieren. Hosen, die nicht verlangen, dass man sich erst einmal in eine bestimmte Form hineinverhandelt. Man möchte einfach bequem sein.
Wir Frauen haben oft genug gelernt, unseren Körper zu kontrollieren, zu formen, zu optimieren und irgendwie in die Kleidung hineinzubekommen, die gerade als gesellschaftlich akzeptabel gilt. Aber irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man sich fragt, warum eigentlich immer der Körper das Problem sein soll und nicht die Erwartung, dass er jeden Tag gleich auszusehen hat. Ein Körper ist kein Möbelstück, das man einmal richtig ausrichtet und dann für die nächsten 30 Jahre in Ruhe lässt.
Er verändert sich. Er reagiert auf Hormone, Stress, Schlaf, Ernährung und auf Dinge, die wir nicht immer vollständig beeinflussen können. Und manchmal reagiert er eben, indem er sich aufbläht wie ein Heißluftballon kurz vor dem Start. Das macht einen nicht weniger schön, nicht weniger weiblich und schon gar nicht weniger wertvoll.
Es macht einen zunächst einmal ziemlich genervt, weil die Lieblingsjeans nicht mehr mitspielt und das darf man auch einfach mal sagen.
Mein Kleiderschrank braucht eine Wechseljahres-Abteilung
Ich finde, wir sollten endlich anfangen, offen über diese Dinge zu reden. Nicht nur über Hitzewallungen und Schlafprobleme, die inzwischen wenigstens hin und wieder Erwähnung finden, sondern auch über die kleinen, alltäglichen Katastrophen, die einem niemand auf die Packungsbeilage geschrieben hat. Zum Beispiel darüber, dass man vielleicht eine Hose für den Montag braucht, eine für den Dienstag und eine für den Tag, an dem der Bauch beschlossen hat, sich selbstständig zu machen.
Mein Kleiderschrank braucht eine Wechseljahres-Abteilung
Ich finde, wir sollten endlich anfangen, offen über diese Dinge zu reden. Nicht nur über Hitzewallungen und Schlafprobleme, die inzwischen wenigstens hin und wieder Erwähnung finden, sondern auch über die kleinen, alltäglichen Katastrophen, die einem niemand auf die Packungsbeilage geschrieben hat. Zum Beispiel darüber, dass man vielleicht eine Hose für den Montag braucht, eine für den Dienstag und eine für den Tag, an dem der Bauch beschlossen hat, sich selbstständig zu machen.
Vielleicht sollten Modehäuser eine eigene Abteilung einrichten: Wechseljahre – für Frauen, deren Körper sich nicht mehr an die Größentabelle hält.
Dort gäbe es Hosen mit flexiblen Bünden, Kleider mit strategisch günstigem Schnitt und Oberteile, die nicht jede Rundung wie eine Pressemitteilung verbreiten.
Und natürlich eine kleine Umkleidekabine mit einem Schild an der Tür:„Sie sind nicht falsch gebaut. Ihr Körper hat heute nur andere Pläne.“
Ich würde dort vermutlich Stammkundin werden. Bis dahin bleibt mir nur, meine Garderobe mit Humor zu nehmen, mich nicht jeden Tag mit meinem Spiegelbild anzulegen und daran zu denken, dass auch dieser Ballon irgendwann wieder Luft verliert. Und wenn nicht, dann kaufe ich mir eben eine größere Hose, weil ich nicht vorhabe, meinen Tag mit einem Kampf gegen einen Hosenknopf zu beginnen, den ich ohnehin nicht gewinnen kann.
Aber hey, ich liebe mein Leben!
Denn ganz ehrlich: Wenn mein Körper schon beschlossen hat, in den Wechseljahren regelmäßig zum Heißluftballon zu werden, dann darf ich wenigstens die passende Kleidung dazu besitzen und vielleicht einen Piloten, der weiß, wo die Landebahn für meinen Heissluftballon ist.
