Glück
Das Glück wohnt bei mir
31.10.2026
Wenn man über die Wechseljahre spricht, geht es meistens um Dinge, die plötzlich nicht mehr funktionieren wie früher. Der Schlaf verabschiedet sich, der Bauch entwickelt ein Eigenleben, die Hormone veranstalten eine Party, zu der man gar nicht eingeladen wurde, und irgendwo zwischen Hitzewallung und Gehirnnebel fragt man sich, wer eigentlich diesen Körper übernommen hat.Dabei gibt es offenbar auch Geschenke, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat. Eines davon ist bei mir eine ziemlich erstaunliche Zufriedenheit.Ich bin nämlich meistens ausgesprochen gut gelaunt. Nicht, weil ich morgens aufwache, die Vorhänge aufreiße und dem Universum zurufe, wie fantastisch alles ist. So weit ist es dann doch nicht gekommen. Ich habe schließlich auch noch meine zwei Tage im Monat, an denen ich einfach meine Ruhe haben möchte und die Welt meinetwegen draußen bleiben darf. Diese Tage gönne ich mir. Schließlich kann man nicht ständig ein Sonnenschein sein, ohne irgendwann selbst einen Sonnenbrand zu bekommen.Aber im Großen und Ganzen bin ich glücklich. Und zwar nicht erst, wenn etwas Besonderes passiert, ich einen Erfolg feiern kann oder mir irgendjemand eine Freude macht. Ich bin einfach gern in meinem Leben.Vielleicht liegt genau darin die Veränderung. Ich brauche nicht ständig etwas Neues, Größeres oder Besseres, um zufrieden zu sein. Ich muss nicht irgendwo anders sein, irgendetwas anderes besitzen oder mein Leben mit dem von anderen vergleichen. Ich habe ein Zuhause, in dem ich mich wohlfühle, und genieße meine Wohnung, meine vier Wände und die Freiheit, mein Leben so zu gestalten, wie es zu mir passt.Und dann wären da natürlich noch meine Hunde. Ich kann morgens die Augen öffnen und werde von Hundenasen begrüßt. Es gibt vermutlich schlechtere Möglichkeiten, in den Tag zu starten. Wobei eine feuchte Nase direkt im Gesicht durchaus Fragen aufwirft, wenn man noch nicht einmal weiß, welcher Wochentag ist. Aber diese kleinen Fellnasen erinnern mich jeden Morgen daran, dass Glück manchmal ziemlich nah liegt und gelegentlich auch ein bisschen nach Hund riecht.Ich habe viele Gründe zu lachen, und das tue ich gefühlt in 95 Prozent meines Lebens. Vielleicht ist das eine meiner liebsten Veränderungen: Ich kann mich über Kleinigkeiten freuen, den Moment genießen und über vieles lachen, was früher möglicherweise mehr Raum in meinem Kopf eingenommen hätte. Nicht alles muss perfekt sein, damit es mir gutgeht. Nicht jeder Tag muss großartig laufen, und nicht jedes Problem braucht sofort meine volle Aufmerksamkeit. Manches darf einfach sein, wie es ist.Das bedeutet natürlich nicht, dass plötzlich alle Schwierigkeiten verschwunden wären. Die Wechseljahre haben schließlich keinen Zauberstab dabei, mit dem sie sämtliche Probleme aus dem Leben fegen. Wenn sie einen hätten, würde ich mich allerdings gern für ein Exemplar bewerben. Bis dahin nehme ich das, was ich bekommen habe: eine große Portion Zufriedenheit, viel Freude am Alltag und das Gefühl, mein Leben wirklich zu schätzen.Vielleicht hat das auch mit der Lebenserfahrung zu tun. Man weiß irgendwann besser, was einem wichtig ist und was man getrost ignorieren kann. Man erkennt, dass man nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten muss, um glücklich zu sein. Und man versteht hoffentlich, dass das Leben nicht erst dann lebenswert ist, wenn alle Baustellen geschlossen, sämtliche Wünsche erfüllt und sämtliche Menschen zufrieden mit einem sind.Ich genieße mein Zuhause. Ich genieße meine Hunde. Ich genieße die Freiheit, mein Leben auf meine Weise zu leben. Und wenn ich dabei viel lache, ist das kein schlechter Nebeneffekt.Ob das nun an den Wechseljahren liegt, an meinem Alter, an meinen Erfahrungen oder einfach daran, dass ich gerade in einer guten Phase meines Lebens bin, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht ist es eine Mischung aus allem. Ich kann nur erzählen, wie es sich für mich anfühlt.Und wenn die Wechseljahre mir neben all dem anderen Kram tatsächlich noch diese Zufriedenheit mit auf den Weg gegeben haben, dann möchte ich mich ausnahmsweise einmal nicht beschweren.Man muss schließlich nicht erst sein ganzes Leben auf den Kopf stellen, um glücklich zu werden. Manchmal merkt man einfach irgendwann, dass man längst dort angekommen ist, wo man sein möchte.
Aber hey, ich liebe mein Leben!
Denn ganz ehrlich: Wenn mein Körper schon beschlossen hat, in den Wechseljahren regelmäßig zum Heißluftballon zu werden, dann darf ich wenigstens die passende Kleidung dazu besitzen und vielleicht einen Piloten, der weiß, wo die Landebahn für meinen Heissluftballon ist.
